Der Hochzeitsfotograf

Ein kleiner Einblick in sein Leben und ein paar Gedanken dazu.

Jedes Wochenende ein bisschen fotografieren, sich den Bauch auf den Hochzeiten vollschlagen und die ganze Woche über die Füße hochlegen und auf die nächste Hochzeit warten – wow, was ein geiler Beruf Hochzeitsfotograf doch ist – den möchte ich auch haben.

Dies ist aber „leider“ nicht der Beruf des Hochzeitsfotografen!

Die Hauptsaison geht von April/Mai – Oktober. Hier ist man als Hochzeitsfotograf in der Regel jeden Samstag und an vielen Freitagen unterwegs. An Samstagen mindestens 8 Stunden, ansonsten kommt man als hauptberuflicher Hochzeitsfotograf nicht auf das Gehalt, welches man zum leben benötigt. Steuern, Versicherungen, Rücklagen, Haus, Essen, Equipment … das sollte jeder kennen.

Hochzeitsfotografen arbeiten nur am Wochenende!

Und was macht man von Sonntag-Freitag? Fotos sichten, aussortieren, bearbeiten, Marketing, E-Mails beantworten, Hochzeitsbesprechungen, Engagement-Shootings, und hin und wieder auch mal anderes Foto-Shootings. Von einer Hochzeit komme ich mit ca. 2000-2500 Fotos zurück. Diese Fotos reduziere ich dann auf ca. 400 Fotos, welche ich dann zu Euren Hochzeitsbildern mache. Diese Fotos sollen eine Geschichte erzählen und jedes Bild an sich ein kleines „Kunstwerk“ sein.

Dieser Prozess kann in der Hauptsaison schonmal mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

Aber cool, bald kommt der November und der Winter und dann kann ich endlich bis April meine Füße hochlegen und nichts tun … PUSTEKUCHEN!

Erstmal müssen alle Hochzeiten abgearbeitet werden, dann wollen viele Brautpaare Hochzeitsalben. Hier müssen Fotos ausgesucht und es muss ein Layout erstellt werden. Jetzt ist schon Weihnachten. Zu dieser Zeit kommen sehr viele Hochzeitsanfragen. Diese müssen alle beantwortet werden und es finden viele Treffen statt.

Nun ist Januar. Mißt, die Webseite ist noch auf dem Stand vom letztemn Jahr. Ok, dann machen wir uns mal an die Aktualisierung des Internetauftritts. Hunderte von Hochzeitsfotos durchsuchen und die „Besten“ auswählen. Welche schaffen es auf die Webseite, welche nicht! Ahhh, die Entscheidung ist so schwer. Am liebsten würde ich alle Bilder zeigen. Endlich ist es geschafft und die Auswahl ist auf ein Minimum reduziert. Jetzt kann die Webseite aktualisiert werden, neue Fotos, neue Texte, das Corporate Design kann auch mal kleine Überarbeitung vertragen.

Preis Hochzeitsfotograf?

Ok, neues Jahr und die Preise sind immer noch nicht erneuert. Man hat sich weiterentwickelt, die Anfragen steigen – bis zu 500 im Jahr – es muss eine Preiserhöhung her.

Wie, noch teurer? 2000€ und noch mehr, nur für Fotos? Nein, nicht nur für Fotos. Ihr habt ja den Text bis hier hin gelesen und wisst, was noch alles dahinter steckt…

Oh, der letzte Blogeintrag ist ja auch schon eine Ewigkeit her. Schnell mal dran setzen und einen neuen verfassen, sonst wirkt es ja so, als ob der Hochzeitsfotograf nichts zutun hat. Hach, endlich wieder Sommer und Urlaub! Ups, Niete! Im Sommer Urlaub nehmen, wenn alle heiraten? Dies ist schlecht, denn unser eins muss ja Geld verdienen.

Aber selbstverständlich hat der Beruf des Hochzeitsfotografen auch so viel gutes, dass man dies alles gerne erträgt. Man lernt so viele neue nette Leute kennen. Es wird viel gereist und man sieht sehr viel. Als Hochzeitsfotograf hat man eigentlich nur mit gut gelaunten Menschen zutun. Und klar, kann man mal in der Woche einen halben Tag frei nehmen. Diese Zeit muss dann aber am Abend wieder nachgeholt werden.

Alles in allem ist dies aber wirklich mein Traumberuf. Ich liebe die Hochzeitsfotografie! Die vielen tollen Momente die ich mit den Brautpaaren erleben darf, das Funkeln in den Augen, wenn sie ihre Bilder sehen. Die kleinen Dinge, die das Brautpaar erst im Nachhinein dank meiner Fotos sieht… ach ja, dies lässt alle Strapazen der Hauptsaison vergessen.